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Landschaftliche Eigenheiten des Jura

Der Wasserreichtum gibt der Landschaft ihr eigenes Gepräge.

Lac de l'Abbaye

Zahlreiche Weiher und Seen liegen in den flachen Hochtälern. In ihnen spiegeln sich der Horizont und die sanften, meist von schwarzgrünen Tannen bestandenen Hügelzüge (Lac de Joux, Lac de St. Point).
In ihrer Nähe befinden sich häufig Moorgebiete mit ihren niedrigen, kurzstämmigen Bäumen und ihrem typischen Pflanzenwuchs. Hier gedeihen unter anderem Pflanzen, die sonst nur im Hohen Norden - in Taiga oder Tundra - wachsen (z. B. die "Tourbières" bei Frasne).

Und dann natürlich die Quellen! Sie sind eine überaus faszinierende und eine fürs Juramassiv ganz typische Erscheinung. Eigentlich sind es keine richtige Quellen, denn das Wasser, das aus grösseren oder kleineren Löchern im Fels tritt, ist Sickerwasser und wird von Seen und Flüssen in höheren Lagen und von Regenwasser gespiesen. Aber der Quell-Effekt ist da, und wir schauen erstaunt und fasziniert zu, wie das vom prorösen Kalkfels geschluckte Nass durch ein Felstor ins Freie tritt, in grossen Schwällen ausgespien wird und sich in ein Tal ergiesst.
Und der Ort, die Umgebung, in der sich dieses phänomenale Geschehen abspielt, ist meist ebenso grossartig ausgestaltet: Gewaltige, kirchturmhohe Felsen, Grotten, Höhlen und lauschige Waldplätzchen bilden den natürlichen Rahmen (z. B. Loue-, Dessoubre- und Lison-Quelle).

Alle diese Karstquellen treten am Ende von sogenannten "Reculées" auf. Reculées sind Taleinschnitte, die als Abschluss eine schroffe, ja geradezu übermächtige Felswand aufweisen. Sie sind von einer ganz herben landschaftlichen Schönheit (z. B. "Cirque de Baume" bei Lons-le-Saunier, "Cirque de Consolation" im Tal des Dessoubre, "Cirque de Fer de Cheval" bei Arbois). All diese "Cirques" befinden sich an jenen geologischen Punkten, wo ein Juraplateau an die Flanke des nächst höheren Juraplateaus stösst. Sie stellen in einem gewissen Sinn den Schnittpunkt der beiden Plateaus dar.

Loue-Tal bei Lizine

Die Schönheit der Reculées wird uns in ganz besonderem Mass offenbar, wenn wir sie von oben herab, von Aussichtspunkten, sogenannten "Bevédères", aus betrachten. Von ihnen gibt es eine ganze Menge im Jura, und es ist auf einer Velotour nicht immer angezeigt, ihren Lockungen zu folgen: Zu viel Zeit verlieren wir damit, ohne dass sich das Gesehene lohnt. Aber einige von ihnen, wie z. B. die "Roche du Prêtre" am Ausgangspunkt des Dessoubre-Tales, die "Belvédère du Moine" bei Ouhans (mit Blick übers Loue-Tal), oder die "Notre Dame de la Libération" bei Besançon sind einzigartig in ihrer Wirkung und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Von landschaftlich ganz besonderem Reiz sind viele kleine, plötzlich in Erscheinung tretende Schluchten - und vor allem die Flusstäler (Val de Travers, Vallon de St. Imier, Doubs-, Loue-, Dessoubre- oder Aintal). Es sind dies Täler, die in der Hauptsache von Felsen und von Flühen und von viel Wald geprägt sind, und in denen die Dörfer harmonisch eingebettet liegen.


© Roman Stahel, März 1999

 


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